Mehr Koordinator denn Trainer

NAWARO

Dass es eine ungewöhnliche Saison werden würde, war allen Beteiligten bei Volleyball Bundesligist NawaRo Straubing klar. Wie schnell das Ungewöhnliche Teil des Alltags werden kann, wurde dem Straubinger Team um Trainer Benedikt Frank in der vergangenen Woche deutlich. Im Interview spricht der Coach über die vergangene Woche bei NawaRo.

Bene, vergangenen Freitag wart ihr bereits vor dem Hotel in Wiesbaden, als euch die Nachricht des positiven Corona-Tests erreicht hat. Welche Gedanken sind dir da durch den Kopf geschossen?
Bene Frank: Uff, cool bleiben, wen müssen wir informieren, wem Bescheid geben, in welcher Reihenfolge? Was kommt auf uns zu? Erste Idee war, das sportliche hinten an zu stellen und erstmal die Situation zu lösen, um keine weiteren Infektionen sowie Krankheiten zu fördern sowie mögliche Behandlungen folgen zu lassen. In guter und enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt wurde das schnell geklärt. Des Weiteren hing ja mit dem Spiel vor Augen, dem Abendessen, dem Hotel, den weiteren Arbeitgebern und allen weiteren Kontaktpersonen noch viel Rattenschwanz mit dran...

Wie war die Stimmung bei den Spielerinnen auf der vorzeitigen Rückreise?
B.F.: Das Team war erstmal richtig geschockt und hat auch sehr sensibel auf das Thema reagiert...

Mittlerweile ist fast eine Woche vorbei. Wie geht es den vier Spielerinnen in Quarantäne?
B.F.: Sie sind wohlauf, sind negativ getestet, trainieren fleißig im Home-Office und sind ein wenig gelangweilt daheim, aber wir alle helfen einander und versuchen das Beste aus der Situation zu machen.

Wie verlief die Trainingswoche mit den verbliebenen sieben Spielerinnen?
B.F.: Es ist spannend zu beobachten, wie unterschiedlich einzelne Spielerinnen damit umgehen. Es ist nicht so einfach alles im Kopf unter einen Hut zu bekommen. Das Gefühl, man steckt mitten in der Saison ist jedenfalls nicht ganz so da, da man natürlich deutlich mehr auf individuelle Fortschritte achtet. Wir werden noch umsichtiger und versuchen alles gut zu verarbeiten. Es wird versucht eine "Jetzt erst Recht" Einstellung zu kreieren.

Was hat sich für euch verändert seit vergangenen Freitag?
B.F.: Tägliche Veränderung der Trainingspläne, Umstellung von Team auf Einzeltraining, Mehr Vorsicht und Umsicht, mehr Gespräche, Erstellung von zusätzlichen Trainingsplänen für Quarantänespielerinnen und Versorgung der Quarantänespielerinnen mit Trainingsutensilien, Abstimmung dazu mit dem Athletiktrainer, den Ärzten, Koordination der Corona-Tests, Periodisierung

Gibt es Dinge, die dir Sorgen machen in Bezug auf den Trainingsalltag?

B.F.: Eigentlich läuft alles gut. Aber nichtsdestotrotz sind wir in Schul-Hallen und teilen die Halle mit anderen Breitensportvereinen. Da sind wir natürlich auch abhängig von deren Umsicht und Einhaltung der Hygienekonzepte. Was derzeit gut funktioniert, aber es schwebt halt immer ein kleiner Gedanke mit. Durch das, dass wir nun mitten drinstecken, sind die Fühler schon sehr angespannt. Von Normalität sind zumindest wir weit weg. Des Weiteren kann es schnell sein, dass wir wieder vor geschlossenen Hallen stehen, da die Schulen natürlich auch die Hallen nutzen müssen um die Abstandsregeln einhalten zu können. Das ist alles schon sehr kontraproduktiv für einen professionellen Trainingsbetrieb.

Wo siehst du die größten Risiken für dein Team in den kommenden Wochen und Monaten?
B.F.: Das wir weiterhin so flexibel sein müssen und uns damit die Zeit ausgeht eine vernünftige Saison zu spielen. Neben dem Trainingsalltag und der Vorbereitung auf die Spiele heißt es den Trainingsrückstand nachholen der Quarantäne Spieler. Das hat alles Einfluss auf die Leistung in dieser Saison. Zudem ist nicht absehbar, welche Einflüsse noch in den Spielbetrieb hineinwirken.